Prepaid- und Guthabenkarten

Stand der Informationen: Oktober 2016


Prepaidkarten sind Guthabenkarten, mit denen Dienstleistungen in Anspruch genommen werden können, die bereits im Voraus bezahlt wurden. Diese Form der Bezahlung ist vor allem im Telekommunikationsbereich verbreitet.

Andere Beispiele für Guthabenkarten können sein: Kreditkarten zum Aufladen, der elektronische Studentenausweis, Karten zur Bezahlung in Betriebskantinen sind sowohl als prepaid als auch postpaid möglich, Geschenkkarten für den Einzelhandel, die die Funktion von Geschenkgutscheinen übernehmen.

Prepaid-Handykarten

Im Mobilfunkbereich entscheiden sich Kunden in der Regel für einen Prepaidtarif, um sich ein festes Kostenlimit zu setzen oder die übliche Mindestvertragslaufzeit bei Mobilfunkverträgen zu umgehen. Hinzu kommt, dass Prepaidkarten für Kunden ohne eigenes Einkommen oder mit negativem Schufa-Eintrag häufig die einzige Möglichkeit zur Mobilfunknutzung darstellt. Dies ermöglicht es den Mobilfunkanbietern jedoch auch, für identische Leistungen bei Prepaid-Systemen höhere Preise in Rechnung zu stellen als bei der Rechnungslegung in Laufzeitverträgen.

Da nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch Mobilfunkverträge mit Jugendlichen unter 18 Jahren grundsätzlich unwirksam sind und gezahlte Rechnungsbeträge zurückgefordert werden könnten, wird ein solches Risiko mit dem Prepaid-System ausgeschlossen. Da der Jugendliche seine Leistung aus eigenen Mitteln bereits erbracht hat, ist der Vertrag von Anfang an wirksam und eine Rückforderung ausgeschlossen.

Auch beim Erwerb von Prepaid-Telefonkarten kommt zwischen dem Anbieter und dem Kunden ein Vertragsverhältnis zustande. Insofern ist der Slogan „ohne Vertrag“ juristisch gesehen falsch. Dies liegt daran, dass die Anbieter von Mobilfunk-Prepaidkarten die Anerkennung ihrer AGB verlangen und durch die Telekommunikations-Überwachungsverordnung (TKÜV) gesetzlich dazu verpflichtet sind, die Daten der Kunden zu speichern.


Einzahlung des Guthabens

Für das Aufladen der Karte nach Verbrauch des Startguthabens werden verschiedene Zahlungsmethoden angeboten. Die wohl bekannteste ist die direkte Aufladung an Tankstellen oder Kiosken durch Eingabe eines Codes. Möglich ist jedoch auch die Überweisung an den Anbieter, die Abbuchung von der Kreditkarte oder dem Bankkonto. Viele Mobilfunkanbieter bieten ein regelmäßiges bzw. automatisches Aufladen an, wenn das Guthaben einen bestimmten Betrag unterschreitet.


Verfall von Guthaben- Was muss ich als Verbraucher beachten?

Nach einem Urteil des Bundesgerichtshofes (BGH, Urteil vom 9. Juni 2011 III ZR 157/10) kann vom Kunden bezahltes Prepaid-Gut­haben nicht verfallen. Die Ent­scheidung des BGH bezieht sich jedoch nur auf Guthaben, das der Kunde zuvor auf sein Prepaid-Konto ein­gezahlt hat, etwa durch den Kauf eines Vouchers oder durch eine Über­weisung vom Giro­konto. Hier sehen die Gerichte eine un­angemes­sene Benach­teiligung des Kunden, wenn der Prepaid-Anbieter das vom Kunden ein­gezahlte Geld ohne Gegen­leistung einbehalten würde. Ganz anders kann der Fall jedoch bei Gut­haben liegen, das der Anbieter dem Prepaid-Kunden quasi "geschenkt" hat - zum Beispiel als Start­guthaben oder als Belohnung für Freundschafts­werbung oder die Teilnahme an einer Aktion. Hierbei kann der Provider durchaus die Gültig­keit des Bonus-Guthabens be­schränken und einen An­spruch auf Aus­zahlung aus­schließen.


Prepaid-Karte oft nicht unbegrenzt nutzbar - Aktivitätszeitraum beachten

Seitdem die Recht­sprechung klar­gestellt hat, dass Prepaid-Anbieter die Gültig­keits­dauer für Prepaid-Gut­haben nicht be­grenzen dürfen, haben einige Provider so­genannte Ak­tivitäts­zeit­räume in ihren Ge­schäfts­bedingungen definiert: Nach einer gewissen Zeit ohne Gut­haben-Auf­ladung oder Ak­tivitäten, die Gut­haben ver­brauchen, wird die SIM-Karte de­akti­viert.

Einige An­bieter schließen die Re-Aktivierung prinzipiell aus und kündigen dem Prepaid-Kunden auch bald nach der Deaktivierung. Verpasst der Prepaid-Nutzer den Ablauf des Aktivitäts­zeit­raums, kann es passieren, dass der Provider seine Handy­nummer bereits wieder an einen anderen Kunden ver­geben hat.


Guthaben kann trotzdem verloren gehen - durch Verjährung

Prepaid-Anbieter müssen zwar das Gut­haben nach Vertrags­ende auf Anfrage zurück­zahlen, aber der Anspruch auf Rück­erstattung gilt nicht un­be­grenzt lange. Der Mobil­funk-Anbieter kann mit Verweis auf die üblichen Ver­jährungs­fristen des BGB die Rück­zahlung verweigern. Hat der Prepaid-Kunde mindestens einmal Gut­haben eingezahlt, so beginnt die dreijährige Frist nach Ablauf des Kalender­jahres, in dem das Gut­haben ein­gezahlt worden ist. Konkret heißt das: Wer im Februar 2015 Gut­haben für seine Prepaid-Karte kauft, hat min­des­tens bis zum 31.12.2018 Zeit für die Rück­forderung.


Rückzahlung von Guthaben

Auch bei der Art und Weise der Rück­zahlung müssen die Anbieter einige Regeln beachten. So darf der Prepaid-Anbieter keine Gebühr für die Er­stat­tung des Gut­habens verlangen. Dies hat das Schleswig-Hol­steinische Ober­landes­gericht (OLG Schleswig Holstein Az.: 2 U 2/11) im Jahr 2012 in einem Urteil gegen Klarmobil entschieden. Da der Prepaid-Nutzer nach Vertrags­ende ohnehin Anspruch auf die Rück­zahlung seines Gut­habens hat, darf der Prepaid-Anbieter diesen Vorgang nicht als eine "Leistung" ab­rechnen, welche der Kunde gegen eine Zahlung erwerben müsste.


Tipps für Verbraucher

Wer seine Prepaid-Karte nur selten nutzt oder gar als Reserve für Not­fälle in der Schub­lade auf­bewahrt, sollte darauf achten, von Zeit zu Zeit einen aus­gehenden Anruf zu tätigen beziehungsweise neues Gut­haben auf­zuladen. Auf welche Zeitspanne die Aktivitäts­zeit­räume bei den verschiedenen Prepaid-Anbietern festgelegt sind, können Sie in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen nachlesen.

Zu beachten ist auch, dass bei einigen Anbietern das Guthaben ins Minus rutschen kann. Begründet wird dies damit, dass Roamingverbindungen oder Verbindungen zu Premiumdiensten verzögert vom Netzbetreiber übermittelt werden können und deshalb eine verzögerte Abrechnung erfolgen kann. Das Negativsaldo muss dann unverzüglich ausgeglichen werden. Sollte dies nicht geschehen, erfolgt eine Sperrung der Sim-Karte. Für die Sperrung wird ein Entgelt erhoben, welches sich meist aus einer Preisliste ergibt. Tipp: Um nicht ins Minus zu geraten, muss in den AGB eindeutig festgelegt sein, dass alle Verbindungen unterbrochen werden, wenn das Guthaben verbraucht ist. Eine solche Sperre lässt sich in vielen Fällen auch einrichten.

Darüber hinaus gilt zu berücksichtigen, dass einige Prepaid-Mobilfunkanbieter eine Gebühr erheben, wenn die Karte über einen gewissen Zeitraum nicht für kostenpflichtige, abgehende Gespräche genutzt wird.

Auch Kündigungsfristen sind bei vielen Prepaid-Mobilfunkanbietern zu berücksichtigen. Dies ist vor allem relevant bei Anbietern, die eine Nichtnutzungspauschale erheben. Wenn die Handynummer zu einem neuen Mobilfunkanbieter mitgenommen werden soll ist eine Kündigung des Prepaid-Vertrages sogar zwingend erforderlich.


Prepaid-Kreditkarte

Mittlerweile gibt es Kreditkarten, bei denen Zahlungen nicht auf Kredit-, sondern auf Guthabenbasis abgewickelt werden. Der zu zahlende Betrag wird aus einem vorher eingezahlten Guthaben beglichen. Es handelt sich also um eine Guthabenkarte und nicht um eine Kreditkarte im klassischen Sinne.

Diese Karten werden ohne Bonitätsprüfung auch an nicht kreditwürdige Personen ausgegeben, die beispielsweise noch nicht volljährig sind oder für die ein Negativeintrag bei der SCHUFA vorliegt. Da die Karten auf Guthabenbasis funktionieren, entsteht für die Bank kein Risiko. Durch die Prepaid-Kreditkarten haben auch bonitätsschwache Personen die Möglichkeit, eine Kreditkarte zu besitzen.


Aufladen der Karte

Die Prepaid-Kreditkarte kann per Überweisung aufgeladen werden. Dies ist in der Regel kostenlos. Das Geld kann von jedem beliebigen Konto überwiesen werden. Überweisungen auf Prepaid-Kreditkarten funktionieren nach demselben Prinzip wie andere Überweisungen, denn der Prepaid-Kreditkarte ist eine eigene Kontonummer zugewiesen, die man bei der Überweisung angeben muss. Teils bieten Banken auch das Aufladen der Prepaid-Kreditkarte über andere Wege: mit Bargeld-Einzahlung, über PayPal oder den Online-Service „Sofortüberweisung“. Doch dies ist eher die Ausnahme als die Regel. Zudem lassen sich die Kreditinstitute diesen Service meist recht teuer bezahlen.

Das Geld ist üblicherweise innerhalb von wenigen Tagen auf der Karte. Wer Girokonto und Prepaid-Kreditkarte bei derselben Bank hat, muss in der Regel nur einen Tag warten.

Zu beachten ist, dass manche Banken Limits festgelegt haben, bis zu welchem Höchstbetrag die Karte aufgeladen werden kann. Für Minderjährige liegt die Grenze der Aufladung bei 500 Euro. Auch für volljährige Inhaber kann es eine Grenze von z.B. 2000 Euro oder 5000 Euro geben.


Verwenden der Karte

Die Karten können nur an solchen Akzeptanzstellen verwendet werden, die mit dem Internet verbunden sind. Dadurch soll ein Überziehen des Guthabens verhindert werden. Die meisten Karten tragen den Vermerk „Electronic use only“.


Akzeptanz der Karte

Bei der Akzeptanz von Prepaid-Kreditkarten kann es zu Einschränkungen kommen, insbesondere bei Autovermietungen wird die Prepaid-Kreditkarte als Zahlungsmittel häufig abgelehnt. Der Grund für die Ablehnung liegt im fehlenden Kreditrahmen der Karte. Mietwagenunternehmen behalten es sich bei "klassischen" Kreditkarten vor, einen gewissen Betrag auf der Kreditkarte als Kaution zu sperren. Sollten nach Rückgabe des Mietwagens Mängel festgestellt werden, kann das Unternehmen den Betrag dafür verwenden. Eine Kreditkarte dient der Autovermietung somit als Sicherheit. Genau diese Sicherheit fehlt bei der Prepaid-Karte. Nur rund ein Drittel der gängigen Autovermietungen akzeptiert die Prepaid-Kreditkarte als Zahlungsmittel.


Vorteile der Karte

Sie haben die gleichen Sicherheitsmechanismen wie „klassische“ Kreditkarten. Da Prepaid Kreditkarten auf Guthabenbasis funktionieren, sind sie in vielerlei Hinsicht sogar sicherer als herkömmliche Kreditkarten mit Kreditrahmen. Prepaid-Kreditkarten können nicht überzogen werden, weshalb sie sich vor allem für Online-Zahlungen und Reisen eignen. Sollte es zu Datenmissbrauch oder Diebstahl kommen, kann der Täter lediglich über das Guthaben verfügen, das sich aktuell auf der Karte befindet.


Nachteile der Karte

Der Nachteil dieser Karten sind in einigen Fällen die Gebühren. Einige Anbieter verlangen Gebühren für das Aufladen der Karte sowie Gebühren für jede Benutzung der Karte. Einige Banken bieten auch Karten an, für die eine einmalige Jahresgebühr erhoben wird.


Vorteile für Unternehmen

Prepaidkarten haben für Anbieter den Vorteil, dass die Dienstleistung zur Verfügung gestellt werden kann, ohne dem Kunden Kredit gewähren zu müssen. Darüber hinaus gewährt der Kunde dem Kartenherausgeber ein zinsloses Darlehen in Form des Guthabens. Zusätzlich  ermöglichen die Guthabenkarten z.B. in Kantinen die Handhabung von Münzgeld einzusparen und somit den Verkauf zu beschleunigen.