Internet-Auktionen

Stand der Informationen: November 2017


Vertragsschluss bei Internet-Auktionen

 

Was sind Internetauktionen aus rechtlicher Sicht?

Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichthofes sind Internet-Auktionen keine Versteigerungen nach § 156 BGB. Versteigerungen im Sinne des § 156 BGB weisen die Besonderheit auf, dass der Vertragsschluss durch den Zuschlag des Auktionators mit dem Auktionshammer erfolgt.

Bei Auktionen im Internet kommt der Vertrag hingegen genau wie im Ladengeschäft durch die Willenserklärungen der Parteien (Angebot und Annahme) zustande. Sobald das Angebot des Käufers auf der Seite der Auktionsplattform eingestellt ist, ist es verbindlich und grundsätzlich unwiderruflich.

Wann kommt der Vertrag zustande?

Der Vertrag kommt zwischen dem Verkäufer und dem Höchstbietenden zustande. Und dies auch dann, wenn der Verkäufer die Auktion vorzeitig beendet. Der Versteigerer muss wissen, dass auch bei einer vorzeitigen Beendigung  des Auktionsangebotes, der Kaufvertrag mit dem Höchstbietenden zustande kommt. Dabei spielt es keine Rolle, ob das höchste Gebot weit unter dem Marktwert der angebotenen Ware geblieben ist oder nicht, der Vertrag ist dennoch rechtsgültig. Ein solcher Vertrag, bei dem der Endpreis weit unter dem Wert der Ware zurückbleibt ist weder unter dem Aspekt des Wuchers, der Sittenwidrigkeit oder des Rechtsmissbrauchs unwirksam.

Umgekehrt kann auch der Höchstbietende nicht einfach behaupten, er habe es sich anders überlegt. Wer ein Gebot abgibt und Höchstbietender ist, muss den Artikel auch bezahlen.

In Ausnahmefällen kann der Verkäufer sein Angebot zurücknehmen, wenn der Artikel zwischenzeitlich verloren geht oder aber zerstört wurde.

Um dieses Risiko auszuschließen, bieten Auktionsplattformen im Internet die Möglichkeit, ein Mindestgebot festzulegen. Auf diese Weise werden die Interessen des Verkäufers gewahrt.

Wie sollte die Artikelbeschreibung des Käufers aussehen?

Der Verkäufer muss bei der Erstellung des Angebotes sorgfältig vorgehen und die Ware so genau wie möglich beschreiben. Die genannten Eigenschaften müssen also auch tatsächlich vorhanden sein, Mängel müssen ausdrücklich genannt werden. Wird ein Foto beigefügt, so muss auch dieses dem tatsächlich angebotenen Artikel entsprechen.

Gibt es ein Widerrufsrecht?

Gewerbliche Verkäufer müssen sich bei Online-Auktionen an dieselben Regeln halten, wie Verkäufer bei anderen Online-Verkäufen. Ein Verbraucher kann daher Ihnen gegenüber den Widerruf gelten machen.

Viele Internet-Auktionsplattformen bieten mittlerweile eine 30tätige Widerrufsfrist an. Eine solche Verlängerung der gesetzlich vorgeschriebenen Frist von 14 Tagen ist zulässig, nur eine Verkürzung auf unter 14 Tage ist unzulässig.

Private Verkäufer sind nicht verpflichtet, Ihnen ein Widerrufsrecht einzuräumen. Jedoch können Sie den Vertrag u. U. wegen arglistiger Täuschung anfechten, falls der Verkäufer falsche Angaben gemacht hat.

Stehen dem Käufer Gewährleistungsrechte zu?

Gewerbliche Verkäufer auf Internet-Auktionsplattformen müssen Ihnen ebenso wie andere Online-Händler die gesetzlichen Gewährleistungsrechte erfüllgen. Bei Neuware gelten diese zwei Jahre lang, bei Gebrauchtwaren kann die Gewährleistungsfrist auf ein Jahr verkürzt werden, jedoch keinesfalls auf einen noch kürzeren Zeitraum.

Der Verkäufer muss den Artikel entweder reparieren oder ersetzen. Schlagen insgesamt zwei Reparaturversuche, die Sie dem Händler zugestehen müssen, fehl, so können Sie einen Nachlass auf den Kaufpreis fordern oder aber den gesamten Kaufpreis zurück verlangen.

Private Verkäufer können die Gewährleistungsrechte wirksam ausschließen, müssen jedoch deutlich darauf hinweisen („Es handelt sich um einen Privatverkauf. Die gesetzliche Gewährleistung ist ausgeschlossen“). Gibt es keinen deutlichen Hinweis, so müssen auch private Verkäufer zwei Jahre lang Gewährleistungsrechte gewährt werden.